Dienstag, 26. Februar 2013
"DER 1. FEHLER"
Da war ich nun.
30 Jahre alt.
Mein Sohn 2 Jahre jung.
Voll berufstätig und ein Berg an Schulden.
Kaum noch Freunde; und Zeit, sich Neue zu suchen noch weniger.
Mein Job und mein Sohn nahmen mir alles an Zeit und Kraft und Energie, was ich aufbringen konnte.

"Aber in dieser modernen Welt sollte es doch nicht so schwer sein, jemanden kennen zu lernen.
Also nichts wie ran an den Computer und drauf los gechattet.
Ich bin doch nicht häßlich oder dumm, da muss sich doch was finden lassen."

Gelegenheiten gab es viele, Männer kamen und gingen, meistens gingen sie bevor es hell wurde.
Ich bin ein Familienmensch und Erfüllung habe ich in diesen Affairen nie gefunden, allenfalls kurze Befriedigung.
Bis A. kam... der erste Fehler, der große Fehler für meinen Sohn.

Wir haben uns in einem Chattraum kennen gelernt.
2 Wochen Schreiben, dann das erste Treffen zu zweit.
Ich wußte, dass er auch einen Sohn hat; im gleich Alter wie mein kleiner Engel.
Er war mir sympatisch, die Liebe würde schon wachsen.

Wir trafen uns immer häufiger, mein Sohn lernte ihn kennen, ich seinen Sohn.
So gingen die Wochen und Monate ins Land und ich wünschte mir immer mehr, dass aus dieser Bekanntschaft mehr werden würde denn wir verstanden uns alle sehr gut.
Mein Wunsch nach perfekter Familie war größer als die innere Stimme der Vernunft... "Etwas stimmt hier nicht"

Dann das erste Treffen mit seiner Exfreundin; ich habe es gewollt, denn ich wollte wissen, was für ein Kind ich da plötzlich in meinem Leben habe und mit wem ich mich zukünftig umgeben muss.

??? Er hat sie für mich von einem Tag auf den anderen verlassen? Das kann nicht sein, er hat erzählt, dass er schon lange von ihr getrennt ist. ???

??? Er nimmt Drogen? Das kann nicht sein, er ist überarbeitet von seinem harten Job, da kann so ein Feierabendbier schon mal anschlagen. ???

??? Er hat sie mit allem was greifbar war verprügelt? Das kann nicht sein, sie will ihn zurück und uns mit allen Mitteln auseinander bringen! ???

??? Er hat seine eigene Mutter verprügelt? Das kann nicht sein, das darf nicht sein!

Ich habe sie kennengerlernt, eine kleine, zierliche, gebrechliche Frau.
Ich habe sie zur Rede gestellt.
Sie liebte ihren Sohn und würde ihm nie etwas schlechtes nachsagen.
Die ersten Zweifel werden laut.
Warum habe ich nicht auf sie gehört???

Allen Zweifeln zum Trotz versuchte ich, diese Beziehung und das Drum und Dran aufrecht zu halten.
Er mietetet eine neue Wohnung, mit Garten und extra großem Kinderzimmer für die beiden Kleinen.
Ich hielt alles in Schuss, kochte, putze und versorgte die Kinder... weil er "zu angeschlagen vom Feierabendbier" war.
Sein Sohn, damals 2 Jahre alt, weinte nachts im Schlaf und schrie nach seiner Mama.
Mit Engelszungen versuchte ich das Kind zu beruhigen, aber nichts half.
Ein falsches Wort, und der arme Junge machte sich vor meinen Augen in die Hose und zitterte vor Angst, was nun folgen würde.

Ein weiteres dieser "anstrengenden" Wochenenden war vorrüber, wir kamen von einem Fussballspiel.
Er hatte zu viel Bier getrunken und die Wohnung sah fürchterlich aus.
Ich räumte auf, er brachte meinen Sohn ins Bett.
Ein langer Abend, den mein Sohn wollte nicht schlafen, er wollte zu mir, weinte.
Eine innere Unruhe wuchs in mir und ich schlief diese Nacht nicht.

Montag...er fuhr früh zur Arbeit, ich verließ nach ihm das Haus, um meinen Sohn in den Kindergarten zu bringen.
Eine seltsam schweigsame Fahrt, denn mein Sohn sagte kein Wort; sang nicht wie üblich seine fröhlichen Kinderlieder.
In der Kita angekommen will ich mich verabschieden, doch ich wurde festgehalten.
Mein Sohn, Felix, hält mich an der Jacke fest und sagt:
"Mama, ich will heute abend nicht zu A. fahren.
Ich will nicht, dass er mir wieder weh tut!"

Ich drücke und küsse ihn, verlasse die Kita um meine Sachen aus dem Haus von A. zu holen und verschwinde für immer ohne ein einziges Wort!

"Willkommen in meinem Leben..."

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